Helios bildet Medizinstudenten aus – kehrt Erfurter Akademie zurück?

Erfurt. Der Krankenhaus-Konzern, der für die Bachelor- und Masterstudiengänge mit der privaten digitalen Medizinhochschule EDU auf Malta kooperiert, spricht von der „aktuell bestmöglichen Ausbildung zum Arztberuf“. Dagegen warnt die Präsidentin der Landesärztekammer (LÄK), Ellen Lundershausen, vor einem „Arzt light“ und bezweifelt, dass sich so das Thüringer Arztproblem lösen lässt.

EDU (European Digital Unioversity) steht für ein neues, EU- zugelassenes Online-Studienmodell für Humanmedizin. Für Deutschland stehen ab diesem Wintersemester 75 Plätze zur Verfügung – ohne Hörsäle zu besuchen und mit Helios als klinischem Ausbildungspartner.

Laut Erfurter Klinikum handelt es sich um die erste digitale Ausbildungsstätte dieser Art weltweit. „Für die praktische Ausbildung an sieben Helios-Standorten sind die EDU-Programmdirektoren verantwortlich. In Erfurt sind das die Professoren Thomas Steiner (Urologie), Marcus Blum (Augen-heilkunde) und Ralf Schlößer (Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik)“, sagte Kliniksprecher Tino Netzel. Während der Präsenzausbildung seien die Studierenden in den Klinikalltag integriert, mit maximaler Patientennähe. „Prüfungen finden computerbasiert wie auch direkt am Arbeitsplatz im Klinikum statt“, so Netzel.

Ellen Lundershausen bezweifelt, dass die Bachelor-/Master-Studiengänge vergleichbar sind mit den Staatsexamen, die Ärzte in Deutschland ablegen müssen. „Die EU setzt hier andere Maßstäbe als wir. Unsere Forderungen nach mehr Medizinstudienplätzen lassen sich so nicht erfüllen“, sagte die LÄK-Präsidentin. Wegen der hohen Studiengebühren könnten sich vor allem Betuchte zum Medizinstudium einkaufen. Um Ärzte in Thüringen zu halten, wäre eine Kooperation mit der Universität Jena hilfreicher, sagt Lundershausen.

Studiengang Bachelor of Medicine

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Laut Guido Dressel, Landeschef der Techniker Krankenkasse zeigt die Kooperation, welche Chancen Digitalisierung für das Gesundheitswesen bietet. „Die Qualität der Ausbildung müssen Fachexperten wie die Ärztekammern bewerten“, sagte er. Für Helios sei es ein cleverer Weg, künftig direkt auf Ärztenachwuchs zuzugreifen. „Ob es die Landesregierung hingegen witzig findet, dass die Medizinische Akademie Erfurt durch die Hintertür reanimiert wird, wage ich zu bezweifeln“, so Dressel. Er hoffe auf mehr Tempo bei den Entscheidungen zu Landarztquote und Studienzugang in Thüringen. Eine bessere Sicherung des Haus- und Facharztnachwuchses, insbesondere auf dem Land, werde mit der Online-Uni nicht erreicht.

Das Wissenschaftsministerium sprach von einem privaten Angebot, dass man nicht bewerten wolle. Studierende würden mit dem Medizinstudium in Jena hervorragend ausgebildet. Für die Qualität sei dabei die Ausbildung im Hörsaal wichtiger Bestandteil des Studiums. Vom Gesundheitsministerium hieß es, man begrüße es, wenn sich junge Menschen – wie in diesem Fall – im Gesundheitssystem in Thüringen engagieren.

Das kostet das digitale Medizinstudium

Laut Digital Education Holdings Ltd. (DEH) sind sowohl für den dreijährigen Studiengang zum Medizin-Bachelor als auch für die zweijährige Masterausbildung an der EDU Malta jährlich 19.500 Euro fällig. Bearbeitungsgebühren und Zeugniskopien kosten extra. Die Studiengebühren müssen zwei Wochen vor Studienbeginn bezahlt werden und sind nicht erstattbar. Ein Numerus clausus ist nicht entscheidend für eine erfolgreiche Bewerbung. Über die Zulassung entscheiden Einstiegstests und persönliche Auswahlgespräche. Damit stehe das Medizin-Studium nun auch Menschen offen, die bisher keine Chance hatten.