Medizinstudium: Wegweisende Entscheidungen offen

Die Reform des Medizinstudiums ist eine Hängepartie: Nach wie vor stehen Richtungsentscheidungen aus. Unterdessen suchen Bundesländer sowie staatliche und private Hochschulen nach eigenen Wegen. Eine Analyse.

Am Medizinstudium wird seit Längerem hinter verschlossenen Türen gearbeitet. Doch noch vor Ablauf des Kalenderjahres soll es bezüglich einiger Fragen mehr Klarheit geben: Fällig sind parallel voneinander sowohl ein Finanzgutachten zum Masterplan Medizinstudium 2020 als auch die Verabschiedung eines neuen Staatsvertrages zur Vergabe von Medizinstudienplätzen.

Beide Entscheidungen sind dringend notwendig: Der Bedarf an ärztlichem Nachwuchs ist ungebrochen groß und auch die Nachfrage nach einem Medizinstudienplatz übersteigt unvermindert das Angebot: Zum jetzt gestarteten Wintersemester 2018/19 haben sich bundesweit fast 44 000 Abiturienten um einen Medizinstudienplatz an einer staatlichen Hochschule beworben. Das sind 4,7 Bewerber pro Platz. Um sofort studieren zu können, brauchen sie eine Abiturnote von 1,0 oder 1,1 oder eine Wartezeit bis zu 15 Semestern. Das Letzteres unzumutbar ist, hatte das Bundesverfassungsgericht bereits im vergangenen Dezember befunden und die Länder aufgefordert, das Vergabesystem bis Ende 2019 neu zu regeln. Um den Zeitplan einzuhalten, müssen die Kultusminister der Länder am 6. Dezember einen neuen Staatsvertrag verabschieden.

Dem Vernehmen nach noch vorher – am 29. November – will sich die interdisziplinär besetzte Expertenkommission unter Leitung von Bildungsforscher Prof. Dr. Manfred Prenzel final abstimmen und klären, wie eine Reform des Medizinstudiums finanziert werden kann. Angekündigt war das Finanzierungsgutachten zum derzeit auf Eis liegenden Masterplan Medizinstudium 2020 bereits für den Herbst. An ihm hängt die Umsetzung der vor einem Jahr beschlossenen Reform des Medizinstudiums.

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Masterplan 2020 ist überfällig

Ein Ziel des Masterplans ist es, die Allgemeinmedizin zu stärken und dem Hausarztmangel entgegenzuwirken. Zusätzliche Studienplätze sind jedoch darin nicht vorgesehen – obwohl die Ärzteschaft dies mehrfach gefordert hatte. Erst im Mai sprach sich der Deutsche Ärztetag erneut für eine Erhöhung um 6 000 Studienplätze aus.

Bundespolitische Lösungen sind nicht in Sicht, doch angesichts des Ärztemangels nimmt in vielen Ländern der Druck zu, mehr Medizinstudienplätze anzubieten. Etliche Fakultäten bereiteten derzeit im Auftrag ihrer Wissenschaftsministerien Konzepte zur Ärzteausbildung an Zweitstandorten vor, konstatierte der Medizinische Fakultätentag im Juni und forderte, dabei die Qualität der akademischen Ausbildung im Auge zu behalten. Neben Zweitstandorten generieren einige Länder aber auch gänzlich neue Fakultäten. Offiziell in der Gründung befindet sich die medizinische Fakultät der Universität Bielefeld. Von der Landesregierung in Nordrhein-Westfalen geplant ist der Aufbau eines Modellstudiengangs mit Schwerpunkt Allgemeinmedizin, der 2021/22 starten soll.

Ein weiteres Beispiel ist Bayern: Bereits in einem Jahr sollen die ersten Medizinstudierenden an der neuen medizinischen Fakultät in Augsburg immatrikuliert werden. Dazu wird das Städtische Klinikum Augsburg ab Januar 2019 in ein Universitätskrankenhaus in Trägerschaft des Freistaates umgewandelt. Und die Pläne in Bayern gehen bereits weiter: Laut nachgedacht wird über eine weitere medizinische Fakultät in Passau.

Die große Nachfrage ruft aber auch private Anbieter auf den Plan: Einen neuen Gipfel erreichten die Angebote mit der Etablierung eines virtuellen Medizinstudiums in Malta (folgender Beitrag). Eine weitere Idee ist ein Medizinstudium in Niederbayern durch Zusammenarbeit mit einer Privatuniversität im niederösterreichischen Krems.